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Chronik
Das untere Murtal verfügt über den größten Grundwasserkörper der Steiermark. Auf Grund des reichlichen Wasserdargebotes erfolgte die Trinkwasserversorgung bis Mitte der sechziger Jahre fast ausschließlich mit Hausbrunnen. Lediglich die Landeshauptstadt Graz verfügte über ein Grundwasserwerk in der Nachbargemeinde Feldkirchen. Dem Gewässerschutz kam daher in diesem Gebiet besondere Bedeutung zu.
Die rege Bau- und Siedlungstätigkeit im steirischen Zentralraum veranlasste im August 1962 vier Gemeinden, gemeinsam mit der Stadt Graz, die Gründung eines Wasserverbandes zum Zweck des Gewässerschutzes, vorzubereiten. Die Verhandlungen mit den Vertretern der Landeshauptstadt blieben aber vorerst erfolglos.
Der Ausbau des Flughafens Graz-Feldkirchen im Jahre 1968 machte schließlich die Errichtung eines Sammelkanals samt Abwasserreinigungsanlage erforderlich.
Nach dem endgültigen Ausstieg der Landeshauptstadt erfolgte im Juni 1973 die Gründung des Abwasserverbandes Grazerfeld, welcher vier Gemeinden umfasste.
Bis zum März 1978 erfolgte die Erweiterung des Verbandes auf 13 Mitglieder. Im Jahre 1980 traten noch drei weitere Gemeinden sowie ein Kunstharzbetrieb dem Abwasserverband Grazerfeld bei.
Die Anzahl der Mitglieder hat sich bis zum heutigen Tage nicht mehr verändert, außer dass eine Gemeinde erst im Jahre 2001 Vollmitglied des Verbandes wurde.
Satzungsgemäßer Hauptzweck des Verbandes war es, Maßnahmen zu planen und durchzuführen, die der Reinhaltung der Mur und des Grundwasservorkommens des Grazerfeldes dienen.
Die Verbandsentwicklung entsprach auch dem Anliegen des Bundes, die Gewässergüte der Mur von Güteklasse III-IV (sehr stark verschmutzt) in den sechziger Jahren, bis zum 31. Dezember 1978 auf zumindest Güteklasse II-III (kritisch belastet) anzuheben. Die Gesamtbelastung der Mur betrug damals rund 4,4 Mio. Einwohnerwerte (EW), wobei rund 3 Mio. EW von den Zellstofffabriken stammten. Aber erst die Umsetzung des 1985 beschlossenen Mursanierungsprogrammes, mit der beinahe vollständigen Abwassererfassung, brachte gemeinsam mit der Sanierung der Zellstofffabriken in Pöls und Gratkorn die entscheidende Verbesserung der Wassergüte der Mur. Im Jahre 2001 wurde die Mur zum Fluss des Jahres erklärt.
Ein Variantenvergleich über die künftige Abwasserreinigungsanlage wies Wildon als kostengünstigsten Kläranlagenstandort aus. Im Oktober 1985 wurde mit dem Bau der Verbandskläranlage begonnen. Die erste Ausbaustufe konnte im Oktober 1987 in Betrieb genommen werden.
Im Jahre 1995 wurde ein zweiter Faulturm in Betrieb genommen. 1997 wurde mit dem Ausbau der Kläranlage auf 80.000 EW sowie mit der Anpassung an den Stand der Technik begonnen und im Jahre 1999 abgeschlossen.
Durch die wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere die Ausweisung von Industrie- und Gewerbebetrieben entlang der Autobahn A9, sowie die stetige Bevölkerungszunahme im Einzugsgebiet des Verbandes, war der Ausbau der ARA Grazerfeld und eine Anpassung an den Stand der Technik auf eine Ausbaugröße von 120.000 EW unumgänglich.
2006 wurde mit dem Aus- und Umbau der Abwasserreinigungsanlage begonnen, die Fertigstellung erfolgte im Jahr 2009.
- Feinrechen mit Rechengutwaschung und –entwässerung
- Bio-P Entfernung: ausgebildet als Umlaufbecken mit Umwälzeinrichtung und Schwimmschlammabzugseinrichtung. Beckeninhalt 1.267 m³. Das Becken ist umhaust; die Abluft wird über Biofilter geführt.
- Errichtung eines Verteilbauwerk vor der Beschickung der bestehenden 3-straßigen Biologie. Verteilung durch verstellbare Überfallwehre.
- Ausrüstung der bestehenden, 3-straßigen, Biologie (mit verstärkter feinblasiger Tiefenbelüftung und Schwimmschlammabzugseinrichtung)
- Zulaufsteuerung zu Belebungsstufe 2 mittels pneumatischer Verteilerweiche, situiert im Zulaufgerinne.
- Belebungsstufe 2, ausgebildet als zwei Umlaufbecken zur alternierenden Nitrifikation und Denitrifikation. Gesamtinhalt 8.040 m³. Ausgerüstet mit Umwälzeinrichtungen, feinblasiger Tiefenbelüftung, Schwimmschlammabzugseinrichtung. Dynamische Wasserspiegelhaltung im jeweils letzen Becken. Anbindung der Luftzuleitung an die bestehende Luftleitung DN 600.
- Nachklärbecken 3, ausgebildet als Rundbecken mit 38 m Innendurchmesser, Beckeninhalt 3.654 m³, durchgehendem Rundräumer mit Außenfahrwerk. Bodenschlammräumung beidseitig aus Tiefenrinne mittels Saugvorrichtung, Schwimmschlammräumung einseitig. Schlammfortleitung über Schlammrinne am Mittelbauwerk.
- Adaptierung Nachklärbecken 1 und 2 mit Schwimmschlammräumung nach Stand der Technik.
- Nachfermenter, ausgebildet als stehender zylindrischer Behälter und 2.907 m³ Nutzinhalt, ausgebildet als säurebeständiger Stahlbehälter in V4A, isoliert und mit Aluglattmantel verkleidet. Mit innenliegender, vertikaler Umwälzeinrichtung mit langer Welle. Anbindung an den Bestand über Drehkolbenpumpen und Exzenterschneckenpumpe, Spiralwärmetauscher (Schlamm/Schlamm), diverse Schlammleitungen, Gashaube mit Leitungsanschluss, Bedienungssteg. Der Behälter ist mit einer eigenen Schlammumpumpeinrichtung mit einem Rohr in Rohr Wasser/Schlamm Wärmetauscher ausgestattet.
- Überschussschlammvorbehandlung durch MÜSE (mechanische Überschussschlammentwässerung) ausgebildet als Seihtrommel, USD (Ultraschalldesintegration) in zwei parallel geschalteten Reaktoren, Schlammzwischenspeicher (vorentwässerter Schlamm) mit 30 m³ Inhalt, erforderliche Pumpen und Schlammleitungen. Ein druckloser Schlammbehälter (Zwischenspeicher Pumpwerk) als Vorlage für die Beschickerpumpen der Faultürme 1 und 2.
- Trübwasser- und Zentratvorbehandlung: Umbau eines bestehenden Beckens und Ausrüstung mit feinblasiger Tiefenbelüftung und Umwälzeinrichtung.
- Eisensulfatbunker- und Lösestation, bestehend aus zwei ,wechselweise mit Granulat zu beschickenden Einsumpfbunkern (zylindrische Behälter aus V4A). Lösungsentnahme über aushebbare Schwimmeinrichtung.
- Heizstation-Wärmeverbund: Installation von einem Gasheizkessel und einem Ölheizkessel (extraleicht) in einem neu adaptierten Heizraum. Neuordnung und Ergänzung der Vorlaufverteilung und Rücklaufsammlung im ursprünglichen Heizraum.
- Faulgasnutzung-Mikrogasturbinen: es werden drei Gasturbinen – Generatoren mit je 65 kW elektrischer Leistung und mit Abgaswärmetauschern mit Einbindung in den Wärmeverbund installiert. Die Gasturbinen sind mit einer teilredundanten Gasreinigung/Gasaufbereitung ausgerüstet.
- Luftförderstation für Belüftung: die vorhandene Gebläsestation wird durch zwei weitere Drehkolbengebläse mit je ca. 250 kW Anschlusswert ergänzt. Zwei der vorhandenen Gebläse werden umgeschlossen und zur Belüftung der Trübwasser- und Zentratvorbehandlung genutzt.
- Leitungen, Armaturen und Kollektorausrüstung für die Gesamtanlage (Kollektor neu ca. 260 m, Kollektor Bestand ca. 320 m).
